Triptane: ein FAQ

Wissen ist Trumph! Es folgt der ultimative Guide zum Thema Triptane. Welche gibt es, worauf muss man achten, was stimmt, was stimmt nicht?

Anmerkung: da im folgenden Beitrag diverse Triptane auch mit ihrem Markennamen benannt werden, handelt es sich im weitesten Sinne um Werbung. Ich wurde für diesen Artikel nicht beauftragt, nicht bezahlt und stehe auch sonst nicht mit irgendeiner Pharmafirma in Zusammenhang.

Darüber hinaus ersetzt dieser Artikel nicht das Gespräch mit einem Arzt. Vor der Ersteinnahme von Triptanen sollte der Gebrauch zwingend fachärztlich abgeklärt werden.

Selber verbindet mich mit den Triptanen, dank meiner Neigung zum Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) ja grundsätzlich eine Hassliebe. Mittlerweile habe ich aber alle Präparate einmal selber ausprobiert und konnte mir so meine mehr oder weniger optimale Akutmedikation zurechtlegen. Das heißt ich weiß jetzt ganz genau, welche Triptane für mich verträglich sind und wähle diese je nach Situation passend aus.

Weiter gehts in Form eines FAQ.

1. Was sind Triptane?

Triptane sind ein für die akute Migräneattacke entwickeltes Medikament.

2. Welche Triptane gibt es?

Es gibt sieben Triptane, die sich in Sachen Wirkdauer und Wirkungseintritt sowie Wirkstärke unterscheiden. Es gibt sie als Tablette, Schmelztablette, Zäpfchen, Nasenspray und Injektspritze zum Teil auch in unterschiedlichen Dosierungen. Die Triptane heißen Almotriptan (Almogran®, Dolortriptan®), Eletriptan (Relpax®), Frovatriptan (Allegro®), Naratriptan (Naramig®, Formigran®), Rizatriptan (Maxalt®), Sumatriptan (Imigran®) und Zolmitriptan (AscoTop®).

3. Wie bekomme ich Triptane?

Triptane können von Haus- oder Fachärzt*innen (Neurolog*innen oder Schmerzärzt*innen) verschrieben werden. Darüber hinaus sind in Deutschland zwei Triptane auch freiverkäuflich in einer Packungsgröße mit je zwei Tabletten erhältlich. Diese beiden Triptane sind Naratriptan und Almotriptan (wird auch als Dolortriptan verkauft).

4. Wirken Triptane bei jeder oder jedem?

Nein. Es gibt Menschen, bei denen Triptane grundsätzlich nicht wirken. Genauso kann es sein, dass es einzelne Triptane gibt, die individuell nicht wirken oder sehr schlecht vertragen werden. Hier heißt es dann tatsächlich weiter ausprobieren und nicht zu schnell aufgeben. Es gibt auch vereinzelt Migräneattacken, die aus unerfindlichen Gründen auf ein sonst gut wirksames Triptan nicht ansprechen. In der Regel wirken Triptane aber deutlich effektiver als herkömmliche Schmerzmittel.

5. Spricht etwas gegen die Einnahme von Triptanen?

Ja, bei Herz- und Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck und schweren Leber- oder Nierenerkrankungen sowie bei besonderen Migränearten (Basilaris-Migräne, hemiplegische Migräne, Ophthalmologische Migräne) und in der Schwangerschaft sollte die Einnahme unbedingt mit einem Arzt besprochen werden und ist unter Umständen kontraindiziert. Erfahrungen mit der Einnahme von Triptanen in der Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nur für Sumatriptan. Theoretisch ist die Behandlung damit möglich, ist aber unbedingt mit einer erfahrenen Neurolog*in abzuklären.

Darüber hinaus kann es theoretisch gesehen, bei der gleichzeitigen Einnahme mit Antidepressiva von der Gruppe der selektiven Serotoninwiederaufnahmehemmern (SSRIs), zu einem sogenannten Serotoninsyndrom mit u.a. Krampfanfällen, zittern, Pulstanstieg, Atemstillstand usw. kommen. In der Praxis ist dieses Syndrom aber noch nie aufgetreten. Ich möchte es nur nicht unerwähnt lassen, da es auch in der Packungsbeilage erwähnt wird. Ich habe auch schon gehört, dass (unerfahrene) Ärzt*innen die Verschreibung von Triptanen verweigern, wenn gleichzeitig ein SSRI genommen wird. Das muss so nicht akzeptiert werden.

6. Schädigen Triptane die inneren Organe?

Ganz klar NEIN! Auch hier kam mir bereits ein Erfahrungsbericht zu Ohren, bei dem eine Neurolog*in ein Rezept für Triptane verweigern wollte mit dem Argument “wenn sie so weiter machen, leiden sie bald an Niereninsuffizienz”. Das ist schlichtweg nicht richtig und ergibt sich schon alleine aus der Wirkweise von Triptanen. Wenn ich solche Aussagen von Fachärzt*innen höre, könnte ich regelmäßig einen Schreikrampf bekommen. Mit der Einnahme von z. B. hoch dosierten Ibuprofen werden die Nieren nämlich deutlich mehr belastet.

7. Wie wirken Triptane?

Runtergebrochen erklärt verengen Triptane die durch die Migräneattacke erweiterten Blutgefäße im Gehirn und wirken gegen die neurogene Entzündung an. Damit imitieren sie die Eigenschaften des Serotonins.

8. Welche Nebenwirkungen gibt es?

In der Packungsbeilage werden eine Vielzahl von Nebenwirkungen aufgezählt. Die dabei am häufigsten auftreten sind Müdigkeit und Brustenge sowie Magen und Darmbeschwerden. Ich habe auch schon Nackensteifigkeit und Nervenirritationen von einigen Präparaten bekommen. Von einigen Triptanen sind diese Effekte bei mir so stark, dass ich über Stunden völlig ausgeknockt bin. Am besten vertragen werden soll übrigens Almotriptan und auf mich trifft das auch zu. Vor allem das Gefühl der Brustenge ist hier deutlich reduziert bei mir.

9. Welches Triptan ist das richtige für mich?

Welches Triptan das Passende ist orientiert sich an der Attackenintensität und Dauer. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Almo-, Nara- und Frovatriptan eher schwächer sind, dafür aber länger wirken und besser vertragen werden. Suma-, Riza- und Zolmitriptan sind stark, wirken dafür aber nur kurz. Eletriptan liegt von der Wirkdauer dazwischen und ist auch ein eher starkes Triptan.

In der Tabelle habe ich das ganze einmal übersichtlich aufbereitet (hier gehts zur Quelle auf der Seite der deutschen Apothekerzeitung). Die angegebenen Zeiten können natürlich individuell abweichen und sind nur ungefähre Richtwerte.

Triptan

Zeit bis zur
vollen Wirkung

Mindest-
wirkzeit

Intensität

Almotriptan

2,5 – 3 h

3 – 4 h

mittel

Eletriptan

1 – 1,5 h

4 – 5 h

stark

Frovatriptan

4 h

24 h

schwach

Naratriptan

2 – 3 h

6 h

eher schwach

Rizatriptan

1 – 1,5 h

2 – 3 h

stark

Sumatriptan

1,5 – 2,5 h

2 h

stark

Zolmitriptan

2 – 3 h

3 h

stark

In der Praxis sieht das Ganze dann bei mir folgendermaßen aus. Eine starke Migräneattacke dauert oft zwei bis drei Tage bei mir, baut sich in der Intensität aber eher langsam auf. Für solche Attacken nehme ich dann Nara- oder Frovatriptan. Wenn ich aber unterwegs bin, und schnell Hilfe brauche oder schon mit einer voll ausgeprägten Migräne morgens wach werde, nehme ich Almotriptan. Die Wirkung setzt bei mir beim Almo schon nach ca. 30 Minuten ein und ist damit quasi mein Lifesafer. Von allen anderen Triptanen habe ich sehr unangenehme Nebenwirkungen und bis auf das Eletriptan wirken auch alle zu kurz. Die Migräne kommt dann nach der abgelaufenen Wirkzeit einfach wieder. Ich habe also immer 3 verschiedene Triptane im Haus, aus denen ich dann auswählen kann.

10. Wann, wie und wie oft kann ich Triptane einnehmen?

Unbedingt zu beachten ist, dass bei Migräne mit Aura das Triptan erst NACH abklingen der Auraphase eingenommen werden darf. Während der Aura sind die Blutgefäße im Gehirn verengt. Da die Triptane die Gefäße ebenfalls verengen, kann es sonst zu einem Schlaganfall kommen.

Grundsätzlich gilt, je früher in der Attacke das Triptan eingenommen wird, umso besser und effektiver kann es wirken. Aber auch wenn die Migräne schon voll ausgeprägt ist oder bereits seit vielen Stunden läuft, sind die Triptane noch wirksam.

Triptane müssen immer mit Flüssigkeit eingenommen werden, da der Wirkstoff erst vom Dünndarm aus ins Blut aufgenommen wird. Das gilt auch für die Schmelztablette, bei der der Wirkstoff entgegen aller Vermutungen nicht über die Mundschleimhaut aufgenommen wird.

Mir hilft es übrigens den Wirkvorgang noch zu beschleunigen, indem ich ein kleines Glas Cola dazu trinke (Koffein und Zucker!).

Die Einnahme von einem Triptan kann am gleichen Tag noch einmal wiederholt werden. Die Maximalgabe innerhalb von 24 h liegt also bei zwei Tabletten. Darüber hinaus sollen Triptane und auch andere Schmerzmittel nicht häufiger als an 10 Tagen im Monat eingenommen werden, da es sonst zu einem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) kommen kann. Was es damit auf sich hat, darüber habe ich bereits hier einen ausführlichen Artikel geschrieben.

11. Kann man Triptane untereinander und mit Schmerzmittel mischen?

Triptane und Schmerzmittel haben völlig andere Wirkweisen und können damit problemlos gleichzeitig oder nacheinander eingenommen werden.

Was das mischen von Triptanen selbst angeht, ist in der Packungsbeilage angegeben, dass man 24 h warten muss, bis man zu einem anderen Präparat wechselt. Ich habe dazu mal meinen Facharzt gefragt und dieser meinte, man könne auch nach 8 h (bis auf Frovatriptan wegen der langen Halbwertszeit im Körper) schon wechseln. Das kann z. B. nötig sein, wenn das gewohnte Triptan entgegen aller bisherigen Erfahrungen auf einmal nicht ausreichend wirkt oder man ein neues Präparat ausprobiert hat und das eben nicht passt.

Eine Zeit lang habe ich immer erst Rizatriptan für einen schnellen Wirkeintritt genommen und wenn die Wirkung dann nachließ nach ca. 2-3 Stunden Naratriptan hinterher. Ich würde dieses Vorgehen auf keinen Fall weiterempfehlen, passiert ist allerdings nichts dabei. Möglicherweise hatte ich nur noch schneller einen MÜK.

12. Was mache ich, wenn auch die lang wirkenden Triptane nicht lang genug wirken?

Wenn die Schmerzen nach Ablauf der Wirkzeit zurückkommen (nennt sich Wiederkehrkopfschmerz), kann man die Einnahme des Triptans einfach noch einmal wiederholen. Eine andere Möglichkeit ist, die Wirkzeit des Triptans mit 500 mg Naproxen zu verlängern. Naproxen ist ein sehr lang wirkendes Schmerzmittel (bis zu 12 Stunden) und der Wiederkehrkopfschmerz bleibt damit aus. Das habe ich mir übrigens nicht ausgedacht, sondern das wird so von den Kopfschmerzkliniken und in der Leitlinie empfohlen. Einen Versuch ist es in jedem Fall wert.

13. Was mache ich, wenn mir so übel ist, dass ich die Medikamente regelmäßig wieder (Entschuldigung für meine Ausdrucksweise) auskotze?

Wenn Erbrechen und Übelkeit regelmäßig so schlimm sind, gibt es die Möglichkeit auf Triptane in Zäpfchenform (Sumatriptan), als Nasenspray (Sumatriptan und Zolmitriptan) oder als Fertigspritze (Sumatriptan) zurückzugreifen. Was die Zäpfchen betrifft, konnte ich (stand Mai 2019) allerdings in keiner Onlineapotheke ein entsprechendes Produkt finden. Es wäre also möglich, dass diese Darreichungsform nicht mehr verkauft wird oder es einen Lieferengpass gibt.

Alternativ ist natürlich auch die vorherige Einnahme eines Mittels gegen Übelkeit, ggf. auch in Zäpfchenform eine Möglichkeit.

14. Warum muss ich bei einigen Triptanen so viel zuzahlen?

Bei Almo-, Ele- und Frovatriptan sowie der Injektspritze und dem Nasenspray mit Zolmitriptan muss neben der Rezeptgebühr noch ein Differenzbetrag zugezahlt werden. Das liegt daran, dass diese Medikamente mit ihrem Preis über dem Festbetrag der Krankenkassen liegen. Die Kassen legen für alle Medikamente einer Wirkgruppe einen Betrag fest, was diese kosten dürfen. Das heißt im Klartext, entweder man greift auf ein anderes Triptan zurück oder man zahlt aus eigener Tasche drauf. Dies gilt übrigens nicht für Privatpatient*innen. Hier werden die Kosten für alle Triptane und Darreichungsformen erstattet.

Besonders verrückt wird das Ganze übrigens beim Almotriptan. Bei einem Rezept über eine Packungsgröße mit 14 Tabletten zahlt man als Kassenpatient*in satte 75 Euro zu. Da das Almo aber auch freiverkäuflich ist, fährt man tatsächlich günstiger, sich 7 Pakete mit je 2 Tabletten über eine Onlineapotheke zu bestellen. Hier zahlt man zwischen 2 und 5 Euro für 2 Tabletten, insgesamt also zwischen 14 Euro und 35 Euro für 14 Stück. Zum Preisvergleich nutze ich übrigens immer den “Medizinfuchs”.

Darüber hinaus haben die Krankenkassen auch Verträge mit bestimmten Hersteller*innen der Triptane (gilt auch für alle anderen Medikamente). Hier muss dann nicht mal die Rezeptgebühr zugezahlt werden. Um welche Firma es sich handelt, kann einfach in der Apotheke erfragt werden. So bekomme ich z.B. Naratriptan komplett kostenlos.

 

Ich hoffe ich habe jetzt an alles gedacht. Wenn du noch andere Fragen hast oder etwas wichtiges vermisst, schreib mir das gerne in die Kommentare. Ich kann diesen Beitrag dann entsprechend noch ergänzen.

2 Kommentare bei „Triptane: ein FAQ“

  1. Vielen Dank für den tollen informativen Artikel. Nach vielen Jahren Triptaneinnahme hab ich trotzdem noch was dazugelernt und deinen Spartipp direkt mit einer Onlinebestellung umgesetzt. Und ich bin schon gespannt auf die Selbsthilfegruppenerfahrung. Ich wohne auch im Kreis RE und hatte mal nach so einer Gruppe in der Nähe recherchiert, konnte mich aber noch nie wirklich überwinden, dort hinzugehen. Ist vielleicht auch besser so… Liebe Grüße und einen hoffentlich migränefreien Tag

    1. Hallo Isabel,
      super dass der Artikel Mehrwert für dich hatte.
      Die Selbsthilfegruppenerfahrung werde ich vermutlich nicht mehr veröffentlichen und dieser Textabschnitt war noch aus einer ersten Version für diesen Artikel. Von daher DANKE für den Hinweis. Ich habe es jetzt rausgenommen.

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